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Überlingen: Tausende pilgerten in die Kurstadt

Mehrere Tausend Menschen sahen am Wochenende das Überlinger Mittelalter-Spektakel, das der Wirtschaftsverbund zusammen mit der Stadt zum 450. Marktrechts-Jubiläum in der Überlinger Altstadt veranstaltet hatten. Neben dem bunten Treiben auf dem ...

Kinderherzen schlagen für den "Motzer" Don Rodriguez
Ritterturnier und Mittelalter-Markt: Tausende pilgerten in die Kurstadt

Überlingen - Mehrere Tausend Menschen sahen am Wochenende das Überlinger Mittelalter-Spektakel, das der Wirtschaftsverbund zusammen mit der Stadt zum 450. Marktrechts-Jubiläum in der Überlinger Altstadt veranstaltet hatten. Neben dem bunten Treiben auf dem Mittelaltermarkt war das Ritterturnier auf der Hofstatt mit einem aufschäumenden Ritter Don Rodriguez der Publikumsmagnet. Die Veranstaltung ging gestern mit einem farbenfrohen Umzug des Fanfarenzuges Niederburg bei Konstanz und einer langen mittelalterlichen Nacht zu Ende.

VON SÜDKURIER-REDAKTEUR NILS KOHLER

Nach Schätzungen sollen rund 5 000 Karten für die Ritterspiele des "Zeytensprung" auf der Hofstatt verkauft worden sein. Ein großer Erfolg, finden nicht nur die Veranstalter WVÜ und Stadt. Als Gewinner der drei Tage sieht sich auch der 30 Mitglieder starke Troß der "Armati Equites", der bewaffneten Reiter, die ihre waghalsigen Kunststücke hoch zu Roß vor der altertümlichen Häuserkulisse der Hofstatt darboten. Vor so vielen Schaulustigen sei man bislang nicht aufgetreten, sagt der Moderator der Spiele "Hubert der Herold" überaus zufrieden und fügt lobend an: "Das Publikum war vom feinsten".

Die Auftritte der sechs Berittenen zählten zum Höhepunkt des Spektakels. Auf der stimmungsvoll von Fackeln und Feuerwerk illuminierten Hofstatt lieferte die Truppe aus Roggenburg bei Neu-Ulm eine gekonnt inszenierte Show aus Gaudi, Spannung und pyrotechnischen Effekten. Der wohl beste Auftritt war am Samstag abend, darin herrschte Einigkeit im Ritterlager. So war es den beiden Erzrivalen zu Pferde, Don Rodriguez von Kastilien und Heinrich von Rothenstein, im wahren Leben Brüder, mit ihrem Rollenspiel gelungen, das Publikum auf ihre Seite zu ziehen. Angefeuert von seinem jungen Fan-Club wollte sich der "Motzer" Rodriguez mit den ihm erteilten "Occuli" einfach nicht zufriedengeben. Immer wieder flogen die Schwerter-Funken, und Hubert der Herold hatte gut zu tun, um die Kampfhähne auseinanderzubringen. Rösser und Reiter kehrten nach dem Turnier schweißgebadet zurück ins Lager.

Kritik kam bei der Truppe allerdings wegen der schmalen Rindenmulchbahn auf. So verweigerte das Schlachtroß "Karl Graf von Stotzingens" seinem Reiter die Gefolgschaft.
'Punkte machten jetzt andere, wie Ritter Leonard von Falkenstein, der sich am Ende dieser Episode als "Ritterin" Leonarda mit Lanze und Schwert entpuppte.

Während die Reiter gestern nachmittag noch unter ihren eisernen Panzern schmorten, ging das fröhliche Treiben auf dem Mittelaltermarkt mit Allerlei Kunststücken und Musik weiter.

Zu den stillen Stars der drei Tage gehörte Bruder Alfred. Einem Hobby-Fotografen, der dem gelernten Schlosser unbedingt sein Porträt zukommen lassen wollte, sagte seine "Geistlichkeit": "Behaltet se's, wir kommen nächstes Jahr wieder."

Auch Reimund A. Weigelt sprach gestern nachmittag von ersten Wünschen, die Spiele "nicht erst nach weiteren 450 Jahren zu veranstalten". Seine Erwartungen habe das Spektakel übertroffen, so der WVÜ-Veranstalter. Zwischenfälle habe es bislang nicht gegeben. „Wenn's nach mir ginge, würde ich's im Zwei-Jahresrhythmus machen.“ Auch für eine großzügigere Mulchbahn, auf der die Pferde nicht unbedingt scheuen, gebe es schon Ideen.

Quelle: 
SÜDKURIER-REDAKTEUR NILS KOHLER
Erscheinungsdatum: 
18. August 1997