Überlingen im Zeichen des Mittelalters
Einen Zeitsprung in die Vergangenheit machten Tausende Besucher des mittelalterlichen Treibens am Wochenende in Überlingen. Auf dem mittelalterlichen Markt, der zur Verleihung des Marktrechts vor 450 Jahren von WVÜ und Stadt auf dem Münster- und Landungsplatz ...
Ritter und Gaukler
Einen Zeitsprung in die Vergangenheit machten Tausende Besucher des mittelalterlichen Treibens am Wochenende in Überlingen. Auf dem mittelalterlichen Markt, der zur Verleihung des Marktrechts vor 450 Jahren von WVÜ und Stadt auf dem Münster- und Landungsplatz aufgebaut war, drängte sich das Publikum, staunte, lachte und freute sich an dem bunten Treiben.
Während am Fuße des Münsters und dunkles Bier reißenden Absatz fanden, wanderten am Seeufer dampfende Brotlaibe aus dem Holzofen, und ein Ochs drehte sich am Spieß im Kreis.
Ein kräftiger Hauch mittelalterlicher Lebensfreude durchzog das rege Markttreiben. Fast schon vertraut kamen den Besuchern dabei die mittelalterlichen Klänge aus Gambe, Harfe und Dudelsack vor, immer wieder bahnten sich bunt gewendete Musikanten mit Kind und Kegel ihren Weg durch das Marktgeschehen. Wenn sie spielten, ließen sich auf dem Pflaster auch Scharen von Kindern nieder. In einem Märchenzelt lauschten noch kleinere auf Strohballen dichtgedrängt andächtig der Geschichte. Von des Teufels drei goldenen Haaren.
Während Artisten unter dem Münsterturm mit den Gästen Schabernack trieben, spie ein anderer meterhohe Flammen in den blauen Sommerhimmel. Überlingen im Mittelalter: Das war auch verkaufsoffenen Sonntag rund um das Münster - ein ebenfalls ungewohntes Bild; das war aber auch ein Blick auf das traditionsreiche Handwerk. Am Mantelhafen schwitzten ein Kettenhemd und ein Waffenmacher vor der Glut ihres Ofens. Die beiden Schmiede - im bürgerlichen Beruf Erzieher und Kommunikationselektroniker - übten unter den Blicken Einheimischer und Touristen drei Tage lang ihren Traumberuf aus, und nachts lagerten sie in Zelten.
Überlingen im Mittelalter: Das war auch viel Mystik, Männlichkeit und blutiges Spiel. Die Ritterspiele lockten in den drei Tagen mehrere tausend Zuschauer auf die Hofstatt. Nachts tauchten brennende Fackeln und dramatische Lautsprechermusik den Platz in die Wirklichkeit des 12. Jahrhunderts. Im Kampf um Ehre und "occuli" zog der Zweikampf Don Rodrigez' von Kastilien und Heinrich von Rothensteins, die Zuschauer in seinen Bann.
Vor den Gästen auf der Ehrentribühne und dem gemeinen Volk an den Rindenmulchbahnen lieferten sich die Ritter in bunter Montur Gefechte auf Leben und Tod. Was unter den ehrenwerten Rittersleuten früher allerdings blutiger Ernst war, blieb hier weitgehend Spiel, mit hölzernem Gestech und stumpfer Klinge. Und dennoch war das alles kein ungefährliches Spektakel. Immer wieder wurden die Zuschauer aufgefordert, von der Bahn zurückzutreten. "Denn die Streitrösser können mächtig Schaden anrichten", gab Hubert der Herold der Menge immer wieder lautstark kund.
NIK: Diestel





