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Mitgliederbereich

Roggenburg: Von Freundschaft, Ehre und ritterlichem Kampf

Eines haben Winfried Wolf von Ehrenstein und Hubert zu Schöneck, die im Alltag Dieter Kohl und Hubert Mayer heißen und in Illerrieden und Jedesheim leben, mit den anderen Mitgliedern der Mittelalter-Gruppe "Armati Equites" gemeinsam. Sie interessieren sich für das ...

ILLERRIEDEN - Eines haben Winfried Wolf von Ehrenstein und Hubert zu Schöneck, die im Alltag Dieter Kohl und Hubert Mayer heißen und in Illerrieden und Jedesheim leben, mit den anderen Mitgliedern der Mittelalter-Gruppe "Armati Equites" gemeinsam. Sie interessieren sich für das Mittelalter und versuchen, einige Ideale dieser Zeit ins 20. Jahrhundert zu holen: Freundschaft, Ehre und Fairness etwa, und natürlich den ritterlichen Kampf.

Von Marianne Schneider-Langer

Seit 1996 gibt es den Verein "Armati Equites", zu deutsch die Gewappneten Reiter. "Inzwischen sind wir 34 Personen. Mit den Kindern natürlich, denn die Familien sind grundsätzlich miteingeschlossen", erklärt Vorsitzender Dieter Kohl. Von einem halben Jahr bis zu 56 Jahren sind alle Altersklassen vertreten. Zehn Auftritte vorwiegend im Süddeutschen hat die Gruppe im Jahr, doch jede Woche treffen sie sich zum Training oder zur Vervollständigung ihrer Ausstattung.

Mit von der Partie sind fünf Pferde, die in Regglisweiler, Jedesheim und lngstetten untergebracht sind. Aus dieser Region stammen auch die Mitglieder der Gruppe. "Unsere Aufnahmekriterien sind sehr streng. Der Interessent bekommt eine Probezeit. Bei nur zwei Gegenstimmen aus der Gruppe, wird er nicht aufgenommen. Sympathie beziehungsweise Freundschaft ist eine Grundvoraussetzung, wenn man miteinander kämpfen will", erläutert Kohl. Und: "Obwohl im Kampf aggressives Verhalten erwünscht wird, muß in jedem Moment Kontrolle da sein. Eine Verletzung des Gegners muß dem Täter mehr weh tun, als dem Opfer. Ohne Vertrauen und absolute Verläßlichkeit geht gar nichts."

Dennoch ist die eine oder andere Blessur unvermeidlich. Rüdiger Haas aus Burlafingen, alias freier Söldner Rudegar: "Blaue Flecken sind die Regel, aber das ist im Fußball auch nicht anders." Gefährlich wird es, wenn Materialschäden auftreten und zum Beispiel ein Schwert abbricht oder absplittert. Die Klingen haben eine Schlagkante von zwei bis drei Millimeter, sind also eigentlich stumpf. "Sie würden sonst unter das Waffengesetz fallen und wir dürften mit ihnen nicht in dieser Form in der Öffentlichkeit agieren.“ Dennoch haben die Akteure eine spezielle Unfallversicherung abgeschlossen, denn bestimmte Bereiche, wie zum Beispiel die Augen, sind immer gefährdet.

Die Kampftechnik haben sich die Ritter selbst beigebracht mit Unterstützung eines mittelalterlichen Handbuchs: "Hans Talhofers Fechtbuch mit Darstellungen von gerichtlichen und anderen Zweikämpfen Anno Domini 1467." "Armati Equites" haben sich allerdings die Zeit um l230 ausgesucht, als die heimkehrenden Kreuzritter unter Friedrich II. aus dem Orient eine neue Kultur mitbrachten und die Mitteleuropäer unter anderem lehrten, daß Wasser auch zum Waschen da ist.

Dieter Kohl wurde 1986 durch ein "Kaltenberg Plakat" animiert. Er besuchte einige Male die dortigen Ritterspiele, bis er selbst eine Gruppe gründete. "Armati Equites" ist die dritte Gruppe, in der er mitwirkt.
Bei den meisten "Armati" gab es eine Art Schlüsselerlebnis und sie fingen Feuer. "Wir haben keinen kommerziellen Nutzen, sondern sind froh, wenn wir mit dem Geld einigermaßen hinkommen", meint Rüdiger Haas. "Das Lagerleben, die vielen Kontakte, die man in der Szene knüpft - es ist wie in einer anderen Welt", findet Hubert Mayer. Als "kaiserlicher Herold" leitet er das Turnier in Roggenburg, zählt die Punkte ("oculi") und prüft die Turnier-Tauglichkeit der Ritter. Er bemüht sich, wie alle anderen, um eine mittelalterliche Sprechweise, was nicht ganz einfach ist.
Auch bei der Gestaltung der Kostüme ist die eigene Phantasie gefragt. "Mutters alte Bügeldecke, alte Leintücher oder Möbelstoffe, mit Phantasie kann man vieles verwenden", erklärt Söldner Ralf Kuhn.

Einen großen Wunsch haben sie die Rittersleute jedoch noch nicht verwirklichen können. Von einem Kellergewölbe träumen sie, oder besser noch einer ausrangierten Burg. Falls es unter den werten Lesern solche gäbe die eine Burg oder ein Gewölbe ihr Eigen nennen, so mögen sie den suchenden Rittern Kunde davon tun!

Das Ritterturnier

Der mittelalterliche Markt um das Kloster Roggenburg findet am Freitag 28. Mai ab 17 Uhr, Samstag 29. und Sonntag 30. Mai von 11 Uhr an statt. Am Freitag und Samstag werden die Ritterturniere ab 20 Uhr durchgeführt, am Sonntag um 15 Uhr. 50 Stände mit Handwerkskunst, Bogenschießen und Verpflegung, sowie "Spektakulum mit mittelalterlicher Musik, Tanz, Puppentheater, Gauklern und Schaukämpfen.“ Der Eintritt kostet zehn Mark am Freitag und zwölf Mark am Samstag und Sonntag, im Vorverkauf vier Silberlinge weniger. Kinder unter Schwertmaß (bis 1,20 Meter) sind frei.

Fünf Ritter treten hoch zu Roß zur Turnier an und tragen folgende Wettkämpfe aus: Köpfe (aus Holz) Schlagen, der Ritter schlägt sie mit dem Schwert von Turnierschienen. „Sauhatz“, der Ritter muß eine Wildsau-Zielscheibe mit der Lanze treffen "Rolandsreiten", der Ritter muß mit der Lanze auf das Schild einer Ritterattrappe treffen und dem in Bewegung gesetzten Sandsack ausweichen. Schwertschlag auf bewegtes Ziel. Mit der Lanze durch von Knappen gehaltene Ringe treffen. "Mann auf dem Fass", eine Mutprobe ohne Wertung. "Tjost", Höhepunkt des Turniers, ehrenvoller Zweikampf, in dem die Lanze am Schild des Gegners zerbrochen oder der Gegner aus dem Sattel gehoben werden muß.

Quelle: 
Schwäbische Zeitung
Erscheinungsdatum: 
23. Mai 1999