Roggenburg: Ritterturnier beim Kloster Roggenburg
Beim Kloster in Roggenburg wimmelte es am Wochenende von illustren Gestalten: Gaukler, Feuerspucker, Narren, Reiter preschten im Galopp über den Platz. Das Ritterturnier war der Höhepunkt des mittelalterlichen Spektakels, das Scharen von Zuschauern anlockte ...
Wo blitzende Schwerter auf Schilder krachen
Mittelalterlich von der Kutte bis zu den Speysen
Beim Kloster in Roggenburg wimmelte es am Wochenende von illustren Gestalten: Gaukler, Feuerspucker, Narren, Reiter preschten im Galopp über den Platz. Das Ritterturnier war der Höhepunkt des mittelalterlichen Spektakels, das Scharen von Zuschauern anlockte.
NATHALIE NEUBAUER
ROGGENBURG.
Ihr Geschick mit Lanze und Schwert wollen sie messen, die Ritter von Armati Equites. Unheimlich sehen sie aus. Hoch zu Roß, Metallhelme mit schmalen Schlitzen in Augenhöhe verdecken Kopf und Gesicht, Schild und Lanze in der Hand. Kettenhemden tragen sie oder, wie Winfried Wolf von Ehrenstein, alias Dieter Kohl, eine Montur aus Leder. Wie die Haut eines Reptils sieht das aus.
Das Ritterturnier am Samstag abend war der Höhepunkt des mittelalterlichen Spektakels in Roggenburg, das über drei Tage ging und von den Vereinen Armati Equites und der Pfuhler Zunft der Handwerker und Kramer zum zweiten Mal organisiert wurde. Die Umgebung des Klosters, das aufziehende Dämmerlicht, der furchteinflößende Aufzug von Roß und Reiter - alles zielte darauf ab, das Publikum in eine weit zurückliegende Zeit zu versetzen.
Der Herold kündigt das erste Exerzitium an, das Ringestechen. Zwischen zwei Holzbarrieren müssen die Ritter hindurchreiten und dabei mit ihrer Lanze Ringe aufstechen. Die Freiherren Rudigar und Raúl stehen an den Barrieren und halten die Stangen, an denen die Ringe hängen. Graf Mathis zu Drachenfels eröffnet die Runde. Beide Ringe spießt er auf, dann muß er die Lanze auf eine Zielscheibe werfen. Danach zeigen die Ritter Winfried Wolf zu Ehrenstein, Friedrich Karl Graf zu Stotzingen, Heinrich von Rothenstein und der junge Lanzelot ihr Können. Lady Gisela, "des Zählens mächtig", und der Herold bewerten die Recken. Die erste Runde geht an Rothenstein.
Ehrfurcht und Faszination
Im Galopp preschen sie Über die Wiese, schlagen bei den folgenden Exerzitien Holzköpfe ab, hetzen die Holzsau und versuchen im "feurig' Ritt" mit dem Schwert eine Frucht zu zerteilen. Dem Publikum verschlägt es schier die Sprache. Ehrfurcht, Angst, Faszination.
Was wäre das Mittelalter ohne Zwist, der nicht brutal und barbarisch ausgetragen würde? Da beschuldigt Winfried von Ehrenstein den Freiherrn Raúl, die Stange mit dem Ring weggezogen zu haben. Von Angesicht zu Angesicht stehen die beiden auf dem Platz, lassen sie Eisenketten auf die Schilder krachen und ihre Schwerter blitzen.
Lebt er noch?
Der Zauberer Abraxas wird kurzerhand hinter ein Pferd gebunden und von Graf Mathis zu Drachenfels im Galopp über die Erde gezogen, weil er den "Turnierfrieden mit Schwarzer Magie" verletzt hat. "Lebt er noch? Laßt ihn, denn am morgigen Tag soll er den Fron wieder verrichten", ermahnt der Herold den Ritter. Friedrich Karl zu Stotzingen, der am meisten Geschick zeigt, gewinnt das Turnier.
Tausende waren gekommen, um sich das mittelalterliche Treiben anzuschauen. Der Andrang war so groß, daß nicht jeder einen Platz ergattern konnte, von dem aus er hätte alles sehen können. Aber auch auf dem restlichen Gelände gab es Sehenswertes: Handwerker, Feuerspucker, das Zeltlager, umherziehende Gaukler und Musiker, viele kostümierte Frauen, Kinder und Männer. An Ständen wurden mittelalterliche Köstlichkeiten feilgeboten: Hirsebrei, Met, Flammkuchen, rustikales Brot, gebratenes Swyn und Gegorenes. "Ich war noch nie auf einem Ritterturnier. Die mittelalterliche Atmosphäre ist gelungen, kein Stilbruch - ich fühle mich wie im Mittelalter", sagt Michael Haushofer aus Neuhausen. Auch Gudrun Rinke aus Weißenhorn begeistert sich: "Letztes Jahr bin ich nicht gekommen, weil ich dachte, daß das ein kitschiges Ritterspektakel ist, das ist es aber gar nicht. Es ist irgendwie ursprünglich und paßt wunderbar auf diesen Platz."
Mit Armati Equites befreundete Gruppen und Vereine beteiligten sich an dem Spektakel. Zudem wurden Bands engagiert, wie zum Beispiel "Veitstanz" aus Bern, eine ehemalige Heavy-Metal-Band, die mit Schalmeien, Lauten, allerhand Flöten und Trommeln mittelalterliche Musik zum Besten gaben. Mit Glöckchen an den Füßen und großem Lendenschurz um die Hüften waren sie stilecht gekleidet, das sagt zu mindest einer von ihnen: "Die Musiker waren damals vogelfrei. Sie mußten sich auffällig kleiden, damit man sie erkennen konnte", erklärt Lukas Flückiger von Veitstanz.
INFO:
Die Mitglieder des Vereins Armati Equites, die gewappneten Reiter, wollen Bräuche des Mittelalters pflegen und an die Wurzeln europäischen Kultur erinnern. Im Verein, den es seit drei Jahren gibt, sind inzwischen 24 Erwachsene und elf Kinder Mitglied. Ansprechpartner ist Dieter Kohl, Vorsitzender des Vereins, in Illerrieden.





