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Ingolstadt 2000

Wenn heroische Ritter für Minnedamen kämpfen - "Armati Equites" lassen Mittelalter lebendig werden Die Turmuhr am Paradeplatz schlägt zum neunten Mal. Der Weg in den Innenhof des Schlosses ist an diesem Samstagabend dicht gedrängt mit Wegelagerern, der Rauch von ...

Wenn heroische Ritter für Minnedamen kämpfen - "Armati Equites" lassen Mittelalter lebendig werden Die Turmuhr am Paradeplatz schlägt zum neunten Mal. Der Weg in den Innenhof des Schlosses ist an diesem Samstagabend dicht gedrängt mit Wegelagerern, der Rauch von offenem Feuer und Fackeln liegt in der Luft, und die Abenddämmerung breitet sich langsam über der Stadt aus.

Der Schlosshof selbst ist kaum wiederzuerkennen: Wo sonst Leere herrscht, hat sich ein ritterliches Turnierfeld breit gemacht, wie man es sonst nur aus Artusfilmen kennt. Das Mittelalter ist nach Ingolstadt zurückgekehrt; die Schaukampftruppe "Armati Equites", die gewappneten Reiter, lädt zum großen Ritterturnier.

Die Gewappneten reiten mit majestätischem Gehabe auf das Turnierfeld. Die authentische Kulisse und die vielen Menschen in ihren mittelalterlichen Kostümen machen glauben, man habe eine Reise in die Vergangenheit unternommen.

Die Ritter verneigen sich zu Turnierbeginn vor den holden Damen auf der Tribüne, und der Turniersprecher bittet das Publikum um "Handgeklapper" für Thorstein, für den tapferen Grafen von Ehrenstein, Graf von Drachenfeld, die anmutige Ariane und welch exotische Namen die Turnierkämpfer sonst noch tragen. Doch nun gilt es, die verschiedenen "Exercitiones", die Geschicklichkeitsübungen des Turniers, zu absolvieren. Ringlein wollen erheischet, Säue mit der Lanze getroffen und künstliche Köpfe abgeschlagen werden. Und währen die Ritter mal mehr, mal weniger Glück haben, so ist es immer wieder der edle Graf von Stockingen, der seine Lanze treffsicherer als die anderen in die Zielscheibe bohrt oder mit der größten Wucht das Gebälk zum Rotieren bringt.

Alle Ritter der Armati Equites bestechen indes durch ihr reiterisches Können. Die Pferde scheinen fast willenlos und gehorchen jedem Befehl. Genauso beeindruckend sind die Schwertkämpfe und Raufereien, die sich immer wieder am Rande der einzelnen Disziplinen ereignen und den Turnierfrieden stören. Streitereien werden hier nicht mit dem Mund, sondern standesgemäß mit dem Schwerte beigelegt. Und wie durch ein Wunder erleidet keiner der rauflustigen Ritter bei den klirrenden Schwertkämpfen eine ernste Verletzung. Die Funken, die von den Schwertern in den Abendhimmel sprühen, beweisen indessen, dass hier wirklich gefochten wird.

Den Höhepunkt des Turniers bildet der zuletzt ausgetragenen Gerichtskampf. Eine Tjost, das heißt ein Lanzenstechen vom Pferde, soll über das Schicksal einer rothaarigen Ketzerin entscheiden, die mit Ihrem Gezeter den Turnierfrieden gestört hat. In vollem Harnisch reitet der edle Graf von Ehrenstein gegen den nicht weniger würdevollen Graf von Drachenfeld an und streift ihn mit der Lanze, worauf dieser leicht verletzt zu Boden geht.

Im anschließenden Schwertkampf trifft Ehrenstein den Drachenfelser erneut, der sich daraufhin ergeben muss. Somit ist die Ehre der Ketzerin wieder hergestellt, der Graf hat sie vor dem Scheiterhaufen gerettet.

Mit einem Ritt durch den Feuerwall feiern die Kämpfer die Sieger des Turniers: die Ritter von Katzenstein und von Stockingen. Und während man in der Masse zu den Klängen der Spielleute zum Schlosstor hinauszieht, schweifen die Gedanken kurzzeitig ab. Wie wäre es wohl, wenn da draußen vor dem Tor tatsächlich das Mittelalter warten würde ...

Quelle: 
unbekannt
Erscheinungsdatum: 
24. Juli 2000